Einen Anspruch darauf, die WM-Spiele am Arbeitsplatz zu schauen, haben Arbeitnehmer grundsätzlich nicht. Ohne die Erlaubnis des Arbeitgebers ist es während der Arbeitszeit also untersagt, die Spiele zu verfolgen – egal ob im Fernsehen, online oder im Live-Streaming auf dem Smartphone. Dies gilt auch, wenn die private Internetnutzung im Allgemeinen durch den Arbeitgeber erlaubt wurde. Selbst bei Arbeitsplätzen, an denen schon vor der WM ein Fernseher eingeschaltet war, darf der Arbeitgeber zu den Fußball-Übertragungen „Nein“ sagen. Bei Verstoß kann der Arbeitgeber berechtigt sein, den Mitarbeiter abzumahnen oder in besonders schwerwiegenden Fällen hat er sogar ein Recht auf Kündigung.

Vorsicht: Unternehmen dürfen, wenn sie die private Internetnutzung verboten haben, auch private Chats und Mails ihrer Mitarbeiter kontrollieren, entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (Urteil vom 12.1.2016, Az. 61496/08). Dafür dürfen sie den Browserverlauf auswerten. Das Arbeitsgericht Köln hat vor kurzem sogar eine Abmahnung für 30 Sekunden Fußball-Live-Stream für rechtmäßig gehalten.

Ausnahme: Radio

Solange der Arbeitnehmer seine Aufgaben konzentriert, zügig und fehlerfrei erledigt und keinen mit seinen Radiogeräuschen stört, ist Radiohören am Arbeitsplatz erlaubt (BAG, Beschluss v. 14.1.1986). Dennoch kann der Arbeitgeber das Radiohören während der WM verbieten. In diesem Fall muss er allerdings das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG beachten, da es hierbei um die Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmers im Betrieb geht. Ein ohne Zustimmung des Betriebsrats ausgesprochenes Verbot ist unwirksam.

WM-Feeling am Arbeitsplatz

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer kein Recht darauf, ihren Arbeitsplatz zu dekorieren. In manchen Fällen kann dies sogar gegen Brandschutzbestimmungen verstoßen. Auch das Deutschland-Trikot kann der Arbeitgeber unterbinden, da er je nach Branche die Sicherheits- oder Dienstkleidung oder einen bestimmten Dresscode vorgeben darf.

Tipp:

Fragen Sie einfach Ihren Arbeitgeber vorher, was während der Fußball-WM an Ihrem Arbeitsplatz erlaubt ist und was nicht. Am Ende wollen vielleicht alle das Gleiche und Sie schauen das Spiel gemeinsam mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten.


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